LIVE FAST, LOVE HARD, DIE YOUNG
Ja, so war sie.
Und so waren sie alle, die sich heute mehr oder weniger dazu bekennen, damals mehr oder
weniger dabei gewesen zu sein.
Woodstock, Whisky und Woman ...
Nein, nicht nostalgisches Schwärmen ist Anliegen dieses Kommentares, ich mache mir
Gedanken darüber, was heute, dreißig Jahre danach, vom Traum der grenzenlosen
Freiheit, der grenzenlosen Liebe und vom frühen Tod geblieben ist.
Der letztere ist gerade für uns MotorradfahrerInnen grausame Realität; seit ehedem
und Easy Rider.
Dieser Kommentar soll sich der Frage, welche Bedeutung das Motorrad in den Beziehungen
zwischen uns Menschen im engsten Sinne hat, widmen.
Die Statistik belegt 14,1 % auf "weibliche Halter" zugelassene Krafträder. Abgesehen
von der ekelhaft frauenfeindlichen Wortwahl (des amtlichen Papiers) sagt uns diese Zahl,
daß die Masse der Biker
eben keine Innen sind. Nächste logische Konsequenz: die große Masse der
zugelassenen Motorräder "gehört Männern" die wiederum statistisch gesehen
in ihrer Mehrheit in Beziehungen zu und mit Frauen leben; womit ich bei meinem Anliegen
angekommen bin.
Was sagt "sie" zum Faible "ihres" Mannes, Freundes, Partners - von Akzeptanz, Toleranz,
Duldung bis hin zu Frust, Haß oder der Frage 'ich oder Motorrad' geht das Spektrum.
Aber auch seltsame Blüten treibt das Leben: um "ihn" zu halten macht "sie" den
Führerschein kauft sich ein Bike, eine Kombi und heftet sich an sein Hinterrad.
Sehr oft ist dieses Opfer vergebens, nicht weil Frauen schlechte MotorradfahrerInnen sind,
sondern weil Dinge, die man ohne Freude tut, selten Freude machen.
Die glückliche Bikerehe ist also eher die Ausnahme.
Worin liegen die Gründe dafür, daß das Motorrad oft den Streitpunkt einer Beziehung
darstellt? Ich glaube das Hobby Motorradfahren, da gehe ich von den Erfahrungen vieler
Freunde und den eigenen aus, fordert eine Intensität die die anderer
Freizeitvergnügen wie Briefmarken, Aquarium oder Sportverein bei weitem
übersteigt. Und das Motorradfahren hat einen Kultgegenstand, einen Fetisch - das Bike
in mannigfaltigsten Erscheinungsformen. Dieser Tatbestand fordert heraus, es liegt auf der
Hand - zu Eifersucht. Die Familienkasse, der gemeinsame Urlaub, viele gemeinsame Stunden -
werden Opfer "seiner" Leidenschaft, und angesichts einiger Anzeigen in diversen
Zeitschriften liegt der Gedanke, dem Kultobjekt auch erotische Dimensionen zu verleihen,
nicht fern - so oder so.
Und noch eine Erkenntnis liefert die Statistik: das Alter derjenigen, die leistungsstarke
Motorräder anmelden, nimmt ständig zu.
Nocheinmal das feeling - frei wie ein Vogel zu sein - erleben, Flucht
vor grauem Alltag und Karriere, kein Hotelzimmer, kein Dienstwagen, dafür urwüchsiges
Camping und unkomplizierte Kontakte mit Gleichgesinnten.
Es gibt kein Rezept dafür, wie Menschen miteinander umzugehen haben, von denen der
eine einer Leidenschaft unterliegt, die der andere nicht teilt. Und so hart wie es klingt,
gibt es nur zwei Alternativen - Akzeptanz oder Trennung. Allerdings sehe ich die
letztere Lösung als die Schlechtere an, denn wir Menschen habe alle Träume.
Müssen denn so viele Träume sterben, damit einer leben kann - so oder so?
Womit wir wieder bei Janis Joplin wären.
rk. 1999
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