Der weitere Verlauf der siebziger und achtziger Jahre brachte wenig Besonderes.
Nachdem ein technisches Studium nach wenigen Monaten zu Ende war, wurde ich für
drei Jahre wieder Mitarbeiter in der großen Autofabrik. Ich sehe heute noch alle
Schweißnähte des linken vorderen Kotflügels eines Mittelklassewagens in
Form eines Siegerpodestes vor mir. Diese Fahrzeugmodell war sehr erfolgreich, es wurde
weit über zwanzig Jahre in nahezu unveränderter Form produziert. Das handwerklich
produktive aber stupide Tätigsein hatte zwei Konsequenzen: Erstens konnte ich mir
bald mein Traummotorrad, eine Simson 425S genannt Sport-AWO (Baujahr 1957) kaufen, das
leider später bei einem meiner vielen spontanen Umzüge verloren ging. Zweitens
wuchs mit jeder Früh- Mittags- oder Nachtschicht die Erkenntnis, das dies nicht der
Job fürs Leben sein konnte. Infolge der katastrophalen Ersatzteilsituation verlegte
ich mein handwerkliches Dasein auf die Pflege und Instandhaltung meiner AWO und begann
wieder zu Studieren.
Simson AWO 425S
Meine Lebensphilosophie führte dazu, daß mein richtiges Studium von 1973 bis
1993 andauerte und mit einer Promotion endete. Dabei hatte ich intensive Verhältnisse
mit fünf Universitäten. Die rege Reisetätigkeit zwischen den
Universitäten fand in allen Jahreszeiten mit Motorrad statt. Natürlich machte
ich alljährlich eine große Tour (im Rahmen der politisch - geografischen
Möglichkeiten). Nach dem Verlust der AWO und nach fast 200000 km (zweihundertausend
Kilometer) auf der ES150 (!!!) kaufte ich mit 1982 eine neue MZ - einen superleichten,
superschnellen, supersportlichen himmelblauen Zweitaktrenner TS 150. Mit diesem Fahrzeug
fuhr ich viele hundertmal oft drei-viermal die Woche mit einem Stapel Lochkarten im
Rucksack die Treppe nach Sachsen (heute A4) bis Chemnitz hinauf und hinab. Als Nutzer
eines modernen Großrechners mußte das abzuarbeitende Programm in Form eines
Lochkartenstapels abgegeben werden um am Folgetag dann das Ergebnis in Form eines
gigantischen Fehlerausdruckes in Empfang zu nehmen.
MZ TS 150
Seit Beginn der Achtziger Jahre pflegte ich ein hauptamtliches Arbeistsverhältnis
an einer namenhaften Bildungseinrichtung in Südthüringen welches nach einigen
Unterbrechungen und Modifikationen bis heute anhält.
Wie richtige Motorräder aussehen wußte ich bis dato noch nicht.
Ich erinnere mich an eine Begegnung am Hermsdorfer Kreuz, ich versuchte mit einem
transitreisenden BWM - Motorradfahrer ins Gespräch zu kommen. Er bat mich Abstand
zu halten, er sei belehrt worden und dürfe weder mit mir sprechen oder gar Dinge
austauschen. Auf der Toilette versuchten wir wenigstens uns über die Technischen
Daten unserer Fahrzeuge zu verständigen, aber nach wenigen Sekunden stand ein Herr
zwischen uns der mich penetrant aufdringlich in ein gegenstandsloses Gespräch
verwickelte. So waren die Reisen in die Tschechoslowakei und Ungarn die einzige
Möglichkeit einen kleinen Blick in die große Welt zu tun. Meine letzte
Ungarnreise fand im Sommer 1989 statt.
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