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Alpentour 1997
dabei waren:
Achim JansenBMW F650
Roland KamprathHonda CB 500
Zeitraum:10. bis 17. September 1997
Gefahrene Kilometer:2367
Mittlerer Verbrauch:
BMWSuper 4,9 l/100km
HondaBenzin 4,9 l/100km

Vorgeschichte

In diesem Jahr war die erste Alpentour zu Beginn der Saison nur ein Wochenende lang und vom Wetter her unbefriedigend. Für eine große Fahrt im Sommer wie in den Vorjahren war keine Zeit. Um so größer war die Vorfreude auf die Septembertour. Zunächst hatte ich die Absicht diese Tour wie in den Vorjahren alleine zu machen. Dann fand ich aber in einem Motorradforum einen Eintrag der hinsichtlich Termin und Ziel alles offen ließ. Also Mail hin und her, meine Vermutung bestätigte sich - wir wollen das Gleiche - einfach nur nichts wie raus. Es folgten noch ein paar Telefonate, wer bringt das Zelt mit, wer den Kocher. Ein Treffpunkt wurde vereinbart.

1. Tag: Jena - Wolfrathshausen bei München
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Treffpunkt war ein bekanntes Fastfoodrestaurant in der Nähe der Autobahnauffahrt. Ich hatte 140 Kilometer Anfahrt, die morgendliche Kühle tat das Ihre - erst mal einen warmen Kaffee. Austausch über Strecke und Fahrweise - wir waren uns einig - wir fahren "nach Gesetz". Auf der A9 immer nach Süden, Achim, der sich als Späteinsteiger bezeichnet fuhr voraus - innerhalb weniger Kilometer fanden wir einen gemeinsamen Fahrstil. Da es schon Nachmittag geworden war beschränkten wir uns auf die nötigen Tankstops und waren enttäuscht ab München nicht vom Alpenpanorama begrüßt zu werden. Es war schon herbstlich grau. Wie geplant verließen wir die Autobahn am Hofoldinger Forst und fuhren nach Wolfrathshausen wo ich einen Zeltplatz, verkehrsgünstig gelegen, wußte.

Der Zeltplatz ist eine gelungene Mischung aus Campingplatz und Biergarten.
Uns war beides recht. Erst als wir beim Betreten des Restaurants mit einem freundlichen "Guten Tag" grüßten, und von den am Stammtisch Sitzenden zunächst mit grimmigen Mienen und dann einem unüberhörbaren "Grüß Gott" begrüßt wurden war und klar - der Urlaub hatte begonnen. Seit meinem letzten Besuch hatten die Wirtsleute gewechselt, ein junges Paar aus Berlin - sehr mutig wie wir fanden. Nach einem Blick auf unser Outfit - sofort die freundliche Weisung "auf die Wiese" - was bedeutete der angrenzende örtliche Spielplatz. Wir waren aber froh nicht zwischen Caravans und Dauerzeltlern lagern zu müssen. Nach Zeltaufbau und mehr oder weniger gründlicher Körperreinigung nahmen wir im Biergarten Platz. Der Hunger war riesig, das Angebot gut, reichlich und preiswert. Wir berieten ob wir am Abend die Hauptstadt München unsicher machen sollten, angesichts des nächsten Tagestour entschieden wir und dagegen und ergingen uns im ein wenig provinziellen Wolfrathshausen. Nach einmaligem Hin und Her auf der örtlichen Magistrale zog es uns zurück in den Biergarten, der uns dann noch ein paar Stunden festhielt.

2. Tag: Wolfrathshausen - Irschen
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Auch die Frühstücksversorgung war gut.
Da heute Mittwoch war, hatten wir die Chance die an Wochenenden für Motorräder gesperrte Kesselbergauffahrt zu fahren. Wir empfanden sie als wenig spektakulär.
Als falsch haben wir später die Entscheidung bewertet, die österreichische Maut zu sparen und ohne Autobahn unser Ziel erreichen zu wollen.
In Innsbruck passierte es dann. Ich hatte mir eingeprägt - immer schön links des Inn auf der 171, dann ist schon gut - aber eine Umleitung zwang über den Inn in das unüberschaubare Einbahnstraßengewirr der Innenstadt. Mein eigentlich gut ausgeprägter Orientierungssinn sagte mir die Richtung sei falsch und ich bog recht spontan an einer Ampelkreuzung nach links ab. Achim fuhr geradeaus. Nun galt das was wir vorher verabredet haben: wir treffen und dort wieder wo wir uns zuletzt gesehen haben. Nach langen Minuten hatten wir uns wieder. Inzwischen war es Nachmittag geworden und es ging mühsam voran. Fast die ganze Strecke verläuft durch Ortschaften. Erst nachdem wir das Zillertal auf der 169 durchfahren hatten und es durch das Gerlostal ging kam wieder Fahrspaß auf. Auf der Paßhöhe angekommen entschieden wir uns für die alte, mautfreie und fahrerisch anspruchsvollere Strecke. Hier dürfen keine Caravans fahren und es macht Freude die schmale Straße herabzuwedeln.

In Mittersill ging es dann zur Sache - in Richtung Felbertauerntunnel. Um so näher sich die Felswände der Straße näherten um so grauer wurde auch der Himmel. Oft ist es so, daß jenseits des Alpenkammes völlig anderes Wetter herrscht.
Im über fünf Kilometer langen Felbertauerntunnel empfing uns zunächst eine angenehme Wärme, die aber bald in einen ätzenden, die Augen zu Tränen treibenden Abgasmief umschlug. Wir passierten die Grenze zum Bundesland Kärnten und wider Erwarten war das Wetter "drüben" genau das Gleiche.

In zügiger Talfahrt erreichten wir Lienz und schließlich das Oberdrautal wo wir auf der 100 unser Ziel, einen kleinen Zeltplatz bei Irschen, erreichten.

Die Begrüßung war herzlich, außer uns waren nur noch zwei durchreisende Caravans auf dem Platz, die am nächsten Tage weiterfuhren. Der obligate Willkommenstrunk veranlaßte mich wieder zur Diskussion ob den das Tiroler oder das Kärntener Bier das Bessere sei - ich denke es gehört zur Identität einer Landschaft oder eines Ortes die Produkte der Region anzubieten. In diesem Falle wenige Kilometer hinter der Kärnten - Tiroler Grenze war das aber nur ein kleiner Streit um des Kaisers Bart.

Nach Zeltaufbau und intensiver Dusche siegte der inzwischen bärenstarke Hunger. Etwa 400 m Fußweg zum urigen Gröfelhof, der uns nun für die nächsten Tage als Stammkundschaft hatte. Riesige Portionen zu angemessenen Preisen und an den Abenden ein Blick in das Regionalgeschehen des Ortes. Hier hat der Kommerz noch nicht gesiegt - hoffen wir, dieser Zustand bleibt noch lange so.

Wir berieten und beschlossen am nächsten Tage wenig zu fahren und dabei möglichst viele Höhenmeter zu bewältigen.

3. Tag: Auf den Gletscher
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Die Wahl fiel auf den Mölltalgletscher. Gut gefrühstückt im Gröfelhof hatten wir, das Wetter zeigte sich positiv.

Die Möll ist ein Nebenfluß der Drau und umschließt mit ihr die Kreuzeckgruppe, die mit dem Kreuzeck eine Höhe von 2702 Metern erreicht. Zunächst muß die Kreuzeckgruppe umfahren werden, wir entschließen uns dies im Uhrzeigersinn zu tun. Auf der 100 ging es zunächst in Richtung Lienz um über den Iselsberg (1204 m) in Winklern rechts ins Mölltal abzubiegen. Die Straße durchs Mölltal hinab ist wenig befahren und bietet grenzenlose Fahrfreude. In Außerfragant gilt es aufzupassen um den Abzweig ins Fraganttal nach links nicht zu verpassen.

Die kleine Straße schlängelt sich über Innerfragant durchs Tal. Wir werden Zeuge, wie ein kleines Kirchlein, das einer Straßenbegradigung im Wege steht ausgegraben wird und ein paar Meter weiter einen neuen Standort findet. An der Mautstelle fragen wir nach dem Wetter und der Aussicht auf dem Gletscher, es wird uns versichert alles sei Bestens. So kaufen wir gleich das Billet für die Gletscherseilbahn mit.

Von nun an wird die Strecke abenteuerlich. An mehreren Stauseen vorbei, durch zahllose Kehren, immer wieder durch Galerien unter rauschenden Bächen entlang erreichen wir die Talstation der Gletscherseilbahn. Hier ist es heute recht ruhig, das Wetter schaut recht unentschlossen aus. Nun findet die Metamorphose der Biker zum Bergwanderer statt. Bergschuhe statt Stiefel, Anorak statt Kombi und Mütze statt Helm. Was unten bleibt kommt in die Koffer (die wir in morgendlicher Eile ins Zelt ausgekippt haben). Auf geht´s. Die Bahn ist automatisiert, der Magnetstreifen gestattet uns den Eintritt und wir besteigen eine kleine Gondel. Innerhalb von Sekunden werden aus den Motorrädernwinzige bunte Punkte im Geröll des Parkplatzes. Wir haben den Eindruck das wir senkrecht nach oben steigen.

Der erste Streckenabschnitt ist der steilste, so daß man von unten nicht die Bergstation sehen kann. Als wir sie erreicht haben erwartet uns nicht die gewünschte Bergeinsamkeit, sondern eine Großbaustelle mit Baggern, Baumaschinen und Lärm.

Auch hier hat also das Geld den Berg besiegt. Wir sind enttäuscht und zornig.

Das Restaurant wird ausgebaut und neue Lifte entstehen - der alpine "Sport" mit all seinen Nebenwirkungen greift um sich. Ich erinnere mich an meine Tour durch die französischen Alpen, an verlassene riesige Betonhotels in abgewirtschafteten Berglandschaften; die Karawane ist weitergezogen. Natur als Verbrauchsmaterial.

Wir sind etwa 2800 Meter hoch und wollen wenigstens 3000 Meter erreichen. Mit jedem Meter nach oben wird die Zahl der "Touristen" mit urbanem Outfit kleiner. Wir laufen auf schmutziggrauem Altschnee und von oben wälzt sich eine graue Nebelwand auf uns zu. Wir orientieren uns an einem Gletscherbach und steigen etwa eine Stunde bergauf. Plötzlich wieder Baulärm. Aus dem Nebelgrau löst sich wie ein gigantisches Urtier eine Baumaschine und bewegt sich auf uns zu. Ringsherum Betonbrocken und Bauarbeiter. Offensichtlich entsteht hier die Bergstation eines Liftes. Der Versuch eines Gespräches mit einem der Maschinisten scheitert am Lärm. Wir beschließen, daß wir die 3000 Meter erreicht haben und kehren um, zumal wir die letzte Seilbahn erreichen müssen. Wir sind fast die Letzten und freuen uns als wir wieder bei unseren Rädern sind.

Inzwischen habe ich mir eine zornige Rede, die ich dem sicher unschuldigen Mauteintreiber halten will ausgedacht, umsonst die Schranke ist offen, ein Teil des Zornes habe ich mir für diesen Text aufgespart.

Erfreulich die Fahrt durchs Mölltal hinab. Links oberhalb der Straße auf Viadukten die Eisenbahnstrecke von Villach nach Salzburg, die zwischen Mallnitz und Bad Gastein den Alpenkamm durchfährt und zur Auto- und auch Motorradverladung genutzt werden kann.

Am Zusammenfluß von Möll und Drau erreichen wir wieder die 100, die uns zum Zeltplatz nach Irschen bringt. Am Abend sitzen wir noch lange in einem der fünf Irschener Gasthäuser und reden über Erlebtes und Zukünftiges.

4. Tag: Über den Paß nach Italien
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Dem sinnvollen Wechsel zwischen Fahr- und Wandertagen entsprechend, wollen wir heute ins nahe Italien fahren. Nach gutem Frühstück auf der 100 bis Greifenburg und über den Kreuzbergsattel (1077 Meter) nach Hermagor. Hier trennt das Gailtal, das südlichste Alpenhochtal die Gailtaler- von den Karischen Alpen. Nach ein paar Kilometern talaufwärts biegen wir auf die Straße 90 links ab. Zehn Kilometer bis nach Italien sind zehn Kilometer herrlichste Paßstraße. Obwohl der Naßfeldpaß nur 1530 Meter über NN liegt, gewinnt man hier den Eindruck in hochalpinem Gebiet zu sein.

Ein paar Autos und Busse parken vor und hinter der Grenze, die Grenzbeamten zeigen wenig Interesse an uns. Mit dem symbolische Griff zur Brusttasche zeige ich meine Bereitschaft mich zu legitimieren und wir werden vorbeigewunken.

Es sind nur wenige Grade über Null und wir freuen uns die Handschuhe nicht ausziehen zu müssen.Mit der Grenze hat sich der Straßenzustand dramatisch geändert. Oft wechselt in einer der vielen Tornati der Straßenbelag, stellenweise geht es über Geröll bergab. Achims F650 hat hier die besseren Karten.

In Pontrebba biegen wir ins Val d´Aupa ab und sind wieder auf kleinsten Sträßchen, die durch eine herrliche Berglandschaft führen. In Moggio erreichen wir wieder zivilisiertere Straßen, wir fahren nach Tolmezzo. Nach einem kurzen Gespräch sind wir uns darüber einig nicht weiter Richtung Cortina, sondern über den Plöckenpaß (1360 Meter) zurückzufahren. Hier in den vielen Kehrtunnel entwickelt sich wieder die pure Fahrfreude, zumal Mitte September die Zahl der Caravanurlauber schon kleiner ist als in der Hauptsaison. In Körtschach-Mauthen haben wir wieder das Gailtal erreicht, das ab hier aufwärts Lesachtal heißt. Das Lesachtal ist eines der schönsten befahrbaren Hochtälerder Alpen. Wir beschließen, es uns für eine spätere Tour aufzuheben.

Über den Gailbergsattel fahren wir zurück ins Drautal. Oberhalb von Oberdrauberg, hier führt die gut ausgebaute Straße in viele engen Kehren hinab, versucht ein Golf mit deutschem Kennzeichen uns zu provozieren. Wir lassen den Idioten fahren und freuen uns auf den herrlichen Ausblick auf das Massiv der Kreuzeckgruppe und auf unsere morgige Bergtour.

In Irschen angekommen ist es aber doch noch zu früh um den Tag zu beenden, wir fahren weiter um in Berg nach links auf die Embergalm abzubiegen. Eine endlose unbefestigte Bergstraße an der ich vor Jahren einmal im Winter trotz guter Ausrüstung mit PKW gescheitert bin, schlängelt sich auf eine Höhe von fast zweitausend Metern. Oben haben wir die Auswahl zwischen mehreren Gasthäusern und Hütten. Obwohl es schon recht kühl ist, sitzen wir draußen und trinken einen oder mehrere Kaffee. Dieser Ort ist ein beliebter Arbeitsplatz für Amateurastronomen. Immer mehr Sterne am Himmel gemahnen zur Rückkehr. In Irschen erwartet uns das nächste Wirtshaus.

5. Tag: Der Hausberg
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Der Hausberg der Irschener ist der Scharnik (2655 Meter). Seit ich in den Süden (Westen) reisen darf vergeht kein Jahr indem ich nicht wenigstens einmal oben war.Ich freue mich, daß Achim dabei ist, er ist eigentlich ein mehr maritimer Typ und schon bis zu den Azoren gesegelt. Aber die Berge ziehen jeden magisch an. Irschen trägt den Namen "Natur- und Kräuterdorf". Keine gigantischen Hotels, keine Skilifte, keine Bergbahnen. Es möge so bleiben.

Für uns Ungeübte ist es keine Schande die erste Hälfte der etwa zweitausend Höhenmeter zwischen Zeltplatz und Gipfel zu fahren. Bis zur Läppener Alm führt ein Sträßchen. Dort die schon eingeübte Metamorphose zum Alpinisten Light. Immer wieder schauen wir zurück, das Schloß Stein bei Irschen ein winziger weißer Punkt.

Darüber die zackigen Gipfel der Lienzer Dolomiten - sie werden unser nächstes Opfer sein. Schon nach einigen hundert Metern spüren wir die Wirkung der Höhenmeter. Also schön langsam und mit viel Genuß. Nach Querung einer Koppel mit riesigen Rindviechern wird es immer alpiner. Ein steiniger Gratweg führt bis zum eigentlichen Aufstieg. In seiner charakteristischen Form liegt der Berg vor uns.

Im steten Wechsel von meterhohen Felsbrocken und seilgesichertem Aufstieg erreichen wir den Gipfel. Wie im Luis-Tränker-Film beglückwünschen wir uns und nehmen ein Siegestrunk aus der Mineralwasserflasche. Ein Blick in das Gipfelbuch sagt uns, daß wir die ersten seit Tagen hier oben sind. Wir ärgern uns über die blöden Sprüche ("wir S... waren och hier - der Kleene war mit) und machen einen Eintrag; Tag, Uhrzeit und Wetter und Namen. War eben die Sicht noch gut, sind wir plötzlich von grauen Nebeln umgeben. Schnell noch ein Gipfelfoto - Katastrophe - keine Reaktion beim Druck auf den Auslöser, offensichtlich war der Transport im Koffer zu hart. (Damit ist zu begründen, daß einige Bilder dieser Reisebeschreibung von zurückliegenden Touren stammen). Und nichts wie zurück - nicht wie geplant hintenherum, sondern auf dem gleichen Wege den wir gekommen sind. Die Temperatur ist innerhalb von kurzer Zeit um vielleicht zehn Grad gefallen und es sieht aus als wollte es schneien. Erst das teehaltige Wundergetränk in der "Bergheimat" auf der Läppener Alm bringt uns wieder zum Leben.

Zurück zum Zeltplatz gekommen entschließen wir uns nach der Bergeinsamkeit in das großstädtische Leben von Lienz zu begeben (jedenfalls Achim erwartet dort ein solches). Stadtfein gemacht stellen wir nach zweimaligem Abschreiten der Hauptstraße fest, daß Lienz neben vielen architektonischen Sehenswürdigkeiten nur über ein unbedeutendes Nachtleben verfügt. Das auch in Österreich das alkoholisierte Fahren verwerflich ist, schlage ich Achim vor den Irschener Dorfwirt aufzusuchen. Skeptisch und hungrig willigt er ein. Wider seinen Erwartungen herrscht hier auch um dreiundzwanzig Uhr ein reges Leben und für hungrige Biker (unser Dasein hat sich offensichtlich herumgesprochen) ist allemal was in der Küche.

6. Tag: Lesach- und Winkeltal
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Wir sind alleine auf dem Zeltplatz. Die Einfahrt ein paar hundert Meter abseits der 100 wird in der Saison mit drei Fahnen markiert, die sind längst eingeholt. Platzmutter Adele hat ihren wohlverdienten Urlaub angetreten und ist seit heute nach Portugal unterwegs. Ihr Sohn Martin, ein begeisterter Bergfreund kommt immer mal zum Zelt und ist um unser Wohlsein bemüht. Heute morgen waren Zelt und Motorräder mit Reif bedeckt. Dank Achims hochwertigem Zelt und guter Schlafsäcke kann uns die Kälte nichts anhaben. Nur die ersten Schritte zur Dusche kosten Überwindung. Die Gröfel-Wirtin bringt auch eine zweite Kanne Kaffee - wir bleiben ein wenig länger sitzen und studieren das Kärntner Regionalblatt. Wir beneiden die Menschen hier um ihre Art des geruhsamen Lebens. Ich denke über meinen "Alterswohnsitz" nach, aber ich wollte ja auch einen in Griechenland, und ein braunes Häuschen in Schweden - alles Illusionen. Heute sind wir eine Woche unterwegs, und obwohl es keine Abmachungen gab, hat keiner bisher ein Wort über das drohende Ende dieser Fahrt verloren - nein nicht daran denken.

Heute wollen wir das Lesachtal erfahren.
Geruhsam nach Oberdrauberg und die schon bekannte Strecke über den Gailbergsattel nach Kötschach-Mauthen. Ein kühler heller Morgen. Kein Verkehr auf den Straßen. Die Straße 111 durchs Lesachtal bis ins Oberdrautal, etwa siebzig Kilometer, geht im steten Wechsel bergauf, bergab. Die Ortschaften unten im Tal, die Straße klettert zwischen ihnen oft weit den Berghang hinauf. Um sich dann im nächsten Ort durch enge Durchfahrten zu zwängen. Die Häuser an den Hang geschmiegt, haben oft zwei Einfahrten, vorne von der Straße und eine Etage höher von hinten für das Tierfutter, welches dann von oben in die Ställe kommt - praktisch.
Wir halten oft an und staunen. Ihre maximale Höhe erreicht die Straße am Kartitscher Sattel mit 1526 Metern. In steilen Serpentinen geht es dann hinab ins Drautal. Von der Einmündung auf die 100 bis zur italienischen Grenze sind es nur ein paar Kilometer. Wir fahren nach links bis Panzendorf und umfahren die Burg Heinfels. Da es uns aber mehr nach Berg als nach Burg ist fahren wir weiter durchs Villgratental. In Aussenvillgraten biegen wir ins Winkeltal ab. Obwohl als Mautstrecke ausgezeichnet, haben wir freie Fahrt. Statt dessen sind ein paar Holztore zu öffnen und zu schließen, die das liebe Vieh halten sollen. Aus der Straße wird immer mehr eine Offroadstrecke. Ein steiler Anstieg im Wald läßt ein baldiges Ende vermuten, doch erst bei 1886 Höhenmetern an der Volkzeiner Alm steht ein Verbotsschild. Wir halten uns daran und parken. Über eine Brücke ein paar Meter bergauf erreichen wir die Volkzeiner Hütte. Umgeben von den Villergratener Bergen suchen wir uns eine Platz auf der gut besetzten Sonnenterrasse. Obwohl Kaffee und Kuchen schmecken fühlen wir uns nicht sehr wohl hier, eine Dame mit 4WD, Hut und kleinem weißen Hündchen unterm Arm findet uns genauso unsympathisch wie wir sie. Wir sind uns sicher, sie wird wohl nie einen Berg besteigen, und während sie mit der Bedienung über die Qualität der Kaffeesahne streitet, suchen wir das Weite.

Nach mehrmaligen Bachüberquerungen finden wir einen sonnigen Hang mit grandiosen Blick auf fast Dreitausender. Solange die Sonne wärmt bleiben wir hier. Abends in Irschen beraten wir uns mit Martin über die morgige Bergtour. Es wird der Abschluß sein.

7. Tag: Lienzer Dolomiten
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Wir brechen beizeiten auf, denn die Erfahrung zeigt, daß es besser ist den größeren Teil vor dem Mittag zu bewältigen. Zunächst fahren wir auf der 100 bis zum Abzweig Lavant. Hier befinden sich eine sehenswerte Wallfahrtskirche und Reste römischer Bauwerke. Durch den Ort Lavant fahren wir weiter, um bald links zur Lienzer Dolomitenhütte (1620 Meter) abzubiegen. Der letzte Teil der Straße ist mautpflichtig.

Obwohl es noch früh am Morgen ist, ist der Parkplatz gut gefüllt. Nach Abschluß der schon beschriebenen Umkleideübung suchen und finden wir den Einstieg in den Rudi-Eller-Weg. Dieser Weg mit dem Prädikat "nur für Geübte" beginnt ganz harmlos und nähert sich in stetem auf und ab dem Roten Turm, einer gewaltigen Felswand. Hier geht es mit Seilen und Ketten gesichert recht abenteuerlich nah am Abgrund entlang zur Karlsbader Hütte (2260 Meter). Obwohl wir nicht für uns in Anspruch nehmen geübte Alpinisten zu sein glauben wir doch die Grenzen unserer Möglichkeiten real einzuschätzen. Überschätzt hatten sich offensichtlich zwei ältere Herren in den Sechzigern die wir überholten. Mühsam versuchten sie sich die Seile entlang zu hangeln und dabei noch zwei Gehstöcke zu bewältigen.

Das Wetter war herrlich, auf der Karlsbader Hütte angekommen gingen wir nach kurzer Rast weiter. Nach knapp zwei Stunden Aufstieg erreichten wir den Gipfel der Laserzwand (2614 Meter). Statt eines Gipfelbuches fanden wir eine Gruppe Bergwanderer, die das Gipfelplateau für sich beanspruchten. Auf unsere Frage nach der Höhe zogen zwei von ihnen demonstrativ ihre Höhenmesser um sich dann über eine Höhendifferenz von mehreren hundert Metern zu streiten. Wir ließen sie mit ihrer high-tec Ausrüstung und ihren Bierbüchsen allein und erfreuten uns am Ausblick auf das Drautal und das gigantische Alpenpanorama.

Zurück zur Karlsbader Hütte fanden wir auch die zwei Alten Herren beim Bier. Nach unserem Gipfelbericht bedauerten sie wehmütig ihr Alter.

Ein guter Imbiß brachte uns verbrachte Energien zurück, zur Dolomitenhütte wählten wir aber den Fahrweg und waren froh als wir unsere Fahrzeuge erreicht hatten. Das klärende Gespräch fand dann auf dem Zeltplatz statt. Wir hatten beide unseren zeitlichen Rahmen bis aufs Letzte ausgeschöpft und mein eigentlich gar nicht ernst gemeinter Vorschlag morgen noch einmal nach Italien zu fahren wurde von Achim mit Bedauern aber energisch abgelehnt. Also mit Martin die Formalitäten geklärt und noch einmal zu Fuß nach Irschen.

8. Tag: Rückfahrt
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Was sein muß muß sein. Nocheinmal ein Bikerfrühstück in gewohnter Weise. Mit der Ausrede das Zelt müsse trocknen nehmen wir uns viel Zeit. Der Himmelist klar, die umliegenden Berge sind zum Greifen nah. Es hilft nicht, alles wird in die Koffer verstaut und gegen elf verlassen wir den Zeltplatz.

Um zügig voranzukommen beschliessen wir die Felbertauernautobahn zu benutzen. Kein Problem, die Mautaufkleber gibts auf jedem Postamt. Ja - aber nur einen. Wir haben zwei Motorräder. Nach unserer Darstellung der Dringlichkeit telefoniert die nette Postfrau alle umliegenden Ämter an. Jedes Gespräch beginnt zunächst mit einer umfassenden Darstellung aller lokalen Neuigkeiten. Wenige Minuten vor Zwölf endlich ein Erfolg. Zwanzig Kilometer in die verkehrte Richtung. Auch diesen Umweg nehmen wir in Kauf.

Nun auf die Autobahn. Auf der Höhe zwischen Katschberg- und Tauerntunnel empfängt uns recht kaltes Wetter. Hauptsache es bleibt trocken. Diese Hoffnung wird beim Herausfahren aus dem zweiten Tunnel zerstört. Es ist wesentlich wärmer geworden, aber Nebel und Nieselregen. Also greifen wir die vorsorglich obenaufliegenden Regenkombis. Das Aufsteigen danach wird für mich ein überraschendes Erlebnis. Um die zehn Jahre alte Regenkombiwieder dicht zubekommen hatte ich bei der Abreise größere Mengen Silikonspray, gedacht für das Zelt, auf die hinteren Partien gesprüht. Beim Anfahren verhinderte nur das Gepäck das sich Fahrer und Fahrzeug trennten. Auch Chemiker Achim staunt über diese Phänomen. Erst ein längeres Sit In im nassen Gras kann diesen Effekt beseitigen. Dicht war die Kombi danach nicht.

Der gewohnte Stau um Salzburg fand nicht statt, sodaß wir erst am Chiemsee eine Pause machen. Urlaub vorbei, Wetter mies, spät am Nachmittag, also weiter um noch beizeiten nach Hause zu kommen.
Letzter gemeinsamer Tankstop bei Nürnberg.
Abschied.
Es war nicht das letzte Mal.

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