Second hand – billig oder teuer?

Wer Motorrad fahren will, braucht sich längst nicht immer gleich ein neues Bike zu kaufen. Der Gebrauchtmarkt bietet reichlich Auswahl und mit etwas Glück lässt sich vielleicht sogar ein Schnäppchen machen.

Das Angebot der gebrauchten Bikes war selten so reichhaltig. Ob Enduro, Chopper, Cruiser, Tourer, Naked-Bike, Sportler oder Supersportler die Auswahl ist immens. In kostenlosen Anzeigenheftchen, Fachzeitschriften, Tageszeitungen, auf einer Gebrauchtbörse oder direkt beim Motorradhändler stehen sie und warten auf einen neuen Besitzer. Wer sich für den Kauf einer Gebrauchten entschließt, sollte jedoch einige wichtige Punkte beachten.

Für Kaufaspiranten, die technisch wenig versiert sind, kann ein Freund oder Bekannter mit Motorraderfahrung als Berater sehr hilfreich sein. Steht ein Besichtigungstermin an, sollte man auf jeden Fall einen fachkundigen Begleiter mitnehmen. Der gute Ratschlag "vier Augen sehen mehr als zwei" kann nicht schaden. Privatkäufe sind im Vergleich zu den Angeboten bei den Händlern oft günstiger und daher nahe liegend. Allerdings bieten Motorradfachgeschäfte oft eine Gebrauchtgarantie, die es bei einem Privatkauf nicht gibt. Hier muss der Käufer im einzelnen selbst entscheiden, was ihm lieber ist.

Unabhängig, um welchen Fahrzeugtyp es sich handelt, wirkt zuerst der optische Eindruck. Bei einem tiptop gepflegtem Bike stehen die Aktien schon einmal gut, bei einer runtergerittenen Maschine ist zur Wachsamkeit geraten. Durch den Augenschein lassen sich Lackqualität, Beulen und Schrammen, beschädigte Bowdenzüge, Beleuchtungsanlage und elektrische Leitungen rasch kontrollieren. Aber auch der Verschleiß von Antriebskette, Reifen, Bremsscheiben und -belägen ist schnell zu erkennen.

Die Kette sollte nicht bis zum Anschlag nachgespannt sein. Wie weit sie sich gelängt hat, ist am hinteren Kettenrad per Handkontrolle überprüfbar. Die einzelnen Glieder dürfen sich nicht vom Zahnkranz abziehen lassen, ist hier ein großes Spiel vorhanden müssen in allernächster Zeit Kette, Kettenrad und Ritzel erneuert werden. Ein Spaß, der leicht 100 bis 200 Euro kosten kann.

Damit nicht schon nach kurzer Fahrzeit neue Reifen fällig sind, sollte das Profil mindestens vier Millimeter tief sein. Sind gleich frische Sohlen fällig, sollte man den Kaufpreis runterhandeln, für einen Satz Pneus legt man nämlich je nach Motorrad 100 bis 200 Euro auf die Ladentheke.

An Scheibenbremsbelägen, aber auch bei Trommelbremsen sind häufig Verschleißmarkierungen vorhanden. Diese zeigen auf einen Blick, wieviel Belagstärke noch vorhanden ist. Auf keinen Fall dürfen die Bremsscheiben tiefe Riefen besitzen. Da Bereifung und Bremsanlage ein Bestandteil der Verkehrssicherheit sind, sollte hier die Aufmerksamkeit besonders groß sein. Zeigen sich bei diesen Punkten bereits gravierende Mängel, ist weitere Wachsamkeit geboten!

Der nächste Pickerl-Termin, Fahrgestellnummer, Reifengröße, und alle nachträglichen Um- und Anbauten müssen mit den Angaben in den Fahrzeugpapieren übereinstimmen.

"Einsteiger" dürfen sich nicht auf die Aussage verlassen: die hat sowieso nur 25 kW (34 PS). Die genaue Motorleistung muß auf jeden Fall in die Kfz-Papiere eingetragen sein. Wie weit der Motor aber tatsächlich auf die 34 PS gedrosselt ist, kann nur der Fachmann feststellen. Auch sollte man sich das Checkheft für die durchgeführten Inspektionen zeigen lassen. Ist dieses sorgfältig geführt, darf dem Kilometerstand im Tacho geglaubt werden. Einige Fachkenntnis erfordert die Begutachtung des Fahrwerks. Rad- und Schwingenlagerung lassen sich per Hand auf zuviel Lagerspiel überprüfen.

Verfügt das Bike über Speichenräder, müssen selbstverständlich noch alle Speichen vorhanden sein und fest verschraubt sitzen. Man "hört" die Festigkeit der Speichen am Klang, wenn die Speichen angeklopft oder angezupft werden. Um das Steuerkopflager zu kontrollieren, wird das Motorrad auf den Hauptständer gestellt, damit das Vorderrad freisteht. Ist kein Hauptständer vorhanden, hilft es nur, per Wagenheber oder Holzklotz das Bike so aufzubocken, dass das Vorderrad keinen Bodenkontakt mehr hat.

Die Vordergabel muss sich gleichmäßig leicht nach rechts und links einschlagen lassen und darf keine "Luft" beim Rütteltest haben. Eine haklige Lenkung weist auf ein zu stramm eingestelltes oder bereits defektes Steuerkopflager hin. Als abschließende Fahrwerksbegutachtung wird Vorder- und Hinterraddämpfung getestet. Als Faustregel gilt: Telegabel und Federbeine müssen satt eintauchen und gut gedämpft wieder ausfedern. Auf keinen Fall dürfen die hinteren Federbeine nachschwingen. Zeigen sie diese Unart, sind die Dämpferelemente defekt. Nur intakte Federbeine garantieren eine sichere Straßenlage! Fallen bis hier alle Punkte positiv aus, wird der Motor angelassen. Startverhalten, Rundlauf und eventuelle mechanische Nebengeräusche lassen eine akustische Beurteilung des Antriebsaggregates und der Auspuffanlage zu. Besteht Kaufinteresse, sollte eine Probefahrt mit der Maschine unternommen werden. Auch bei dieser Testfahrt, selbst wenn sie nur um den Häuserblock führt, Motorradbekleidung anziehen. Dabei kann Brems- und Fahrverhalten, Bedienbarkeit des Getriebes und Motorgleichlauf überprüft werden. Nach der Probefahrt wird der Motor noch einmal begutachtet. Ist das Motorgehäuse mit Ölnebel bedeckt, ist vom Kauf abzuraten. Für den Kaufvertrag kann ein Vordruck vom ADAC, AvD oder der Verbraucherberatung die Schreibarbeit erleichtern. Der Käufer erhält nach Bezahlung des Motorrades Zug um Zug Fahrzeugschein und -brief, bei abgemeldetem Fahrzeug nur den Brief, aber mit Abmeldebescheinigung. Auch sollte Ihnen bei einem gebrauchten Motorradkauf unsere Checkliste für eine erste Begutachtung helfen.