Diese drei physikalischen Größen sind oft kaufentscheidende Parameter der
Motoren unserer Bikes. Bei vielen Leuten herrscht Unsicherheit, wenn es darum
geht, die Zusammenhänge zwischen diesen Größen zu erklären.
Dieser Zusammenhang ist ein ganz einfacher: Leistung ist Drehmoment mal Drehzahl,
oder als Formel dargestellt:
Die konkreten Angaben für unser Motorrad finden wir im Fahrzeugschein, oder etwas
ausführlicher im Fahrerhandbuch.
Beginnen wir mit der Drehzahl - sie ist oft direkt am Drehzahlmesser ablesbar und
wird in der Maßeinheit Umdrehungen pro Minute oder rounds per minute angegeben.
Wichtig ist das es eine maximale Drehzahl gibt, vor dessen Überschreitung der
Rote Bereich des Drehzahlmessers warnt.
Etwas schwerer zu verstehen ist die Größe Drehmoment, das Drehmoment ist die
Größe, die so wie die Kraft in der Geraden gewissermaßen den Schub
beschreibt, mit dem der Motor per Rotation unser Geschoss nach vorne treibt.
Natürlich können wir auch mit dem Getriebe darüber bestimmen in welcher
Weise wir aus der Rotation des Motors mehr oder weniger Beschleunigung erzeugen.
Das ist Thema des nächsten Beitrages.
Jeder Motor hat eine anderer Charakteristik, die einen mögen es, wenn ihr Bike
bereits bei geringen Drehzahlen vollen Schub entfaltet, und dies über einen
großen Drehzahlbereich, andere fühlen sich wohl, wenn es so kurz vor dem Roten
Bereich noch einmal so richtig abgeht. Diese Motorcharakteristik stellt sich in der
Drehzahl - Drehmomenten - Kennlinie dar. Als Beispiel hier die der HONDA - Transalp
in der offenen 50 PS - Ausführung:

(nach MOTORRAD Heft 16/1993)
Verbrennungsmotoren haben den großen Nachteil, dass sie bei der Drehzahl Null -
Null Moment abgeben, hat zur Folge, dass man als erstes in der Fahrschule lernen
muss mittels Kupplung den schwierigen Übergang zwischen Ruhe und Bewegung möglichst
harmonisch zu vollziehen. Anders Elektromotoren und Dampfmaschinen, die in der Lage
sind aus dem Stand heraus gigantische Momente zu entwickeln. Überhaupt zeigt die
dargestellte Kennlinie einen recht unsteten Verlauf. Verlassen wir uns auf die
Experten, die mittels Bedüsung, Ventilsteuerzeiten, Auspuffkaliber- und Länge
und elektronischem Motormanagement das für uns Beste aus dem Motor herauszuholen.
Auffällig ist, dass es ein ausgeprägtes Maximum des Drehmomentes bei einer
Drehzahl von etwa 6000 U/min gibt, danach geht es bergab mit dem Moment.
Mit dem genannten Zusammenhang zwischen Drehzahl, Moment und Leistung ist es nun
möglich auch die Kennlinie der Leistung in Abhängigkeit der Drehzahl zu
berechnen. Wir multiplizieren das jeweilige Moment mit der jeweiligen Drehzahl.
Dazu müssen wir uns noch über die Maßeinheiten verständigen.
Die Formel gilt dann, wenn wir die Drehzahl in der abenteuerlichen Dimension rad/s
angeben. Dabei müssen wir wissen, dass eine Minute 60 Sekunden, und eine
Umdrehung 6,28 rad sind. Gehen wir vom maximalen Moment von etwa 53 Nm bei etwa
6000 U/min aus, beträgt die Leistung hier
P = 53 Nm * 6000 U/min * 1 min/60 s * 6,28 = 33284 Nm/s.
Nun müssen wir noch wissen, dass ein Nm/s ein Watt ist, und deren 1000 ein
Kilowatt, ergo der Motor der Transalp erzeugt bei Vollgas und einer Drehzahl von
6000 U/min eine Leistung von etwa 33,3 kW. Multiplizieren wir das mit 1,36 werden
aus den zwar physikalisch sauberen aber für viele wenig anschaulichen Kilowatt
45,3 bildlich vorstellbare Pferdestärken
Jetzt stellt sich für viele die Frage wo die versprochenen 50 PS geblieben sind,
auch hier gibt der Fahrzeugschein Auskunft, da steht in Spalte 7: K37/08000 was soviel
bedeutet, dass die versprochenen 50 PS in Kilowatt umgerechnet (durch 1,36 dividiert)
37 kW bei einer Drehzahl von 8000 U/min verfügbar sind.
Schlussfolgerung: die maximale Leistung wird nicht mit dem maximalen Moment
abgegeben, sondern bei höherer Drehzahl. Um diesen Sachverhalt zu verdeutlichen fragen
wir erneut die Drehzahl - Drehmomenten Kennlinie und berechnen für die Drehzahl
8000 U/min mit einem Moment von etwa 44 Nm:
P = 44 Nm * 8000 U/min * 1 min/60 s * 6,28 = 36843 Nm/s = 36,8 kW
oder mit 1,36 multipliziert eine Leistung von 50,1 PS. Der Fahrzeugschein hat recht.
Einmal das Prinzip erkannt, sind wir nun in der Lage für viele Punkte der Drehzahl -
Drehmomenten Kennlinie die entsprechenden Leistungen zu berechnen, und daraus die
Drehzahl - Leistungs - Kennlinie darzustellen:
Es ist an der Zeit aus den dargestellten Zusammenhängen einige praktische
Schlussfolgerungen zu ziehen:
- Wollen wir unserem Motorrad hohe Beschleunigungswerte entlocken, so gelingt uns
das am besten mit maximaler Leistung, also im Falle des Beispieles bei etwa 8000
Umdrehungen pro Minute. Das maximal mögliche Drehmoment spielt in diesem Zusammenhang
nur eine untergeordnete Rolle.
- Da der maximalen Leistung in der Regel bei weiterer Drehzahlerhöhung eine starker
Leistungsabfall und oft auch bald der "Rote Bereich" (TRANSALP bei 8700 U/min) folgt,
ist es wenig sinnvoll höhere Drehzahlen zu fahren, sie bringen kein Mehr an Leistung
aber Ärger mit der Umwelt.
- Der Bereich hoher Leistungen beginnt mit der Drehzahl des maximalen Momentes -
in unserem Beispielfall bei 6000 U/min. Für "zügiges" Fahren ist also der Bereich
zwischen maximalem Moment und maximaler Leistung angesagt.
- Um ein Fahrzeug mit einer bestimmten Geschwindigkeit unterhalb der
Höchstgeschwindigkeit konstant zu bewegen ist keinesfalls die maximal verfügbare
Leistung von Nöten, also können auch wesentlich geringere Drehzahlen gefahren werden -
so werden Verschleiß und Verbrauch gering gehalten. Die Berechnung der notwendigen
Leistung für bestimmte konstante Geschwindigkeiten und die Wahl der optimalen
Getriebeübersetzung mittels Gangschaltung ist Thema eines der nächsten Beiträge.
- Wir wir gesehen haben, ergibt sich das Leistungsdiagramm aus den Werten des
Momentendiagramms. Praktisch bedeutet das, dass es eine "Leistungsmessung" im
eigentlichen Sinne gar nicht gibt, sondern sich die Leistung als das Produkt von
Moment und Drehzahl berechnet.