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Situationsbeschreibung:
Auf einer 6 Meter breiten Landstraße ist eine 90°-Linkskurve mit einem
Radius von 20 Metern (Fahrbahnmitte) zu durchfahren. Unter Berücksichtigung eines
sinnvollen Abstandes zum rechten Fahrbahnrand fährt Biker "Grün" den Kurvenverlauf
exakt folgend im Radius von 20m + 3m - 1m = 22m durch die Kurve. Um die Grenzen
der Haftreibung (Kurventechnik II) nicht zu überschreiten ist es notwendig zum
Kurvenbeginn die Geschwindigkeit auf 52,9 km/h zu reduzieren. Mit dieser
Geschwindigkeit dauert das Durchfahren eines Viertelkreises 2,35 Sekunden.
Grau ist alle Theorie !
Also im Falle der Sicherheit des Ausbleibens möglicher Gefährdungen durch
Gegenverkehr (z.B. abgesperrte Rennstrecke) kann die gesamte Fahrbahnbreite genutzt werden -
Biker "Rot". Bei Einhaltung des Abstandes von einen Meter zum inneren Fahrbahnrand steht ihm
ein Radius von 31,7 Metern zur Verfügung - das ermöglicht eine Geschwindigkeit von
63,4 km/h. Der Viertelkreis ist in diesem Falle in 2,82 Sekunden durchfahren.
Auf den ersten Blick hat diese "Abkürzung" keinen Zeitgewinn erbracht, aber wir sehen
das wir auch den Teil der grünen Strecke eingespart haben, der vom "grünen
Korrektfahrer" am Kurvenanfang und Ende geradeaus durchfahren wird. Das sind exakt
2 mal 31,7 - 22 Meter also 19,4 Meter, die der "Grüne" zusätzlich
zu durchfahren hat. Macht einen zusätzliche Zeitaufwand (konstante Geschwindigkeit
vorausgesetzt) für "Grün" von etwa 1,3 Sekunden. Mithin ergeben sich 3,65 Sekunden
für Grün und 2,82 Sekunden für Rot, ein Plus von fast einer Sekunde bei
einer Wegeinsparung von insgesamt etwa 4 Metern.
Fazit: Das nicht nur bei Bikern übliche "Schneiden" von Linkskurven hat
im Sinne einer Fahrzeitverkürzung durchaus seine Rechtfertigung, auch wenn in
angeführten rechnerischen Betrachtungen viele Sachverhalte (Beschleunigungs-
und Bremsvorgänge, Übergang von Geradeaus- und Kurvenfahrt) vereinfachend
vernachlässigt wurden. Hohe Beschleunigungswerte leistungsstarker Fahrzeuge lassen
diesen Vorteil geringer werden, sodass sich hier auch die Tatsache bestätigt, dass vor
allem leistungsschwache Fahrzeuge oft exzessiv zum Kurvenschneiden tendieren.
Dem rechtsfahrenden Rechtskurvenfahrer (gelb) steht ein Radius von 18 Metern zur
Verfügung, hier sind 47,8 km/h möglich, was bei einer Bogenlänge von
28,3 Metern zu einer Kurvenfahrzeit von 2,12 Sekunden führt. Da diese Zeit deutlich
unter den Zeiten der anderen möglichen Kurvenverläufe liegt, ist dies der Grund
dafür, dass in Rechtkurven optimale Fahrzeiten beim Einhalten der rechten
Fahrbahnseite erreicht werden können. Möglichkeiten zur Zeiteinsparung liegen
im Beschleunigen in der zweiten Kurvenhälfte mit einem "Heraustriften" nach Links.
Die komplizierten Vorgänge beim Bremsen und Beschleunigen in Kurven beschreibt der
nächste Beitrag.
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