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Motorräder aus Eisenach
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FOTO: Archiv Dipl.-Ing. H. Ihling, Eisenach
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1945

1955
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Es erscheint ungewohnt, das rot-weiße Firmenlogo.
ROT-WEIß sind die Landesfarben Thüringens.
Nur wenigen ist noch bekannt, daß es in diesem Bundesland in Eisenach
vor etwa 50 Jahren
eine nicht unbedeutende Motorradproduktion gab.
Begonnen hat das Ganze mit dem Befehl Nr. 93 des "obersten Befehlsleiters
der sowjetischen Militäradministration und des obersten Befehlshabers der Gruppe der
Sowjetischen Okkupationsstreitkräfte" Marschall G. Shukow zur "Inbetriebnahme der Automobil-
und Motorradproduktion in der Fahrzeug- und Maschinenfabrik in Eisenach (ehemals BMW)".
Möglich war die Produktion von Motorrädern weil Anfang der vierziger Jahre alle
technologischen Unterlagen und Fertigungseinrichtungen in das damalige BMW - Zweigwerk
Eisenach ausgelagert wurden. Die R35 ist also keine Neuentwicklung, sondern wurde bereits
in den dreißiger Jahren in München produziert.
Mit der Verfügung des Präsidenten des Landes Thüringen waren im September 1945
alle Betriebsanlagen enteignet worden. Natürlich gab es Widersprüche aus München, die
seitens der damaligen Machthaber wie folgt interpretiert wurden:
"Sie (die Widersprüche) sind nur zu bewerten als Raubansprüche der auch heute wieder
in Westdeutschland in führender Position des deutschen Imperialismus stehenden
Monopolherren und Kriegstreiber der BMW-München. ... Die Wachsamkeit der
klassenbewußten Arbeiter, unter Führung ihrer marx... ...Diversantennest, Agenten ... "
- hier wird wohl auf die Ereignisse des 17. Juni 1953 in Eisenach angespielt.
Die Planwirtschaft hatte also zugeschlagen. Erste Planansätze für das Jahr 1945
forderten die Herstellung von 70 Motorrädern, gefertigt wurden 16.
Für die Jahre 1946-48 sind Planzahlen bekannt, aber keine konkreten Ergebnisse.
Erst ab 1949 liegen zuverlässigere Werte vor: so stieg die jährliche
Fertigungsstückzahl von 4250 im Jahre 1949 auf 13700 im Jahre 1955. Insgesamt sind
etwa 65 bis 70 Tausend R35 in Eisenach hergestellt worden.
Andere Quellen (Schröder, siehe Literaturverweis) sprechen von ca. 81000 Motorrädern.
Im Jahre 1951 erfolgten an der inzwischen mit der Typbezeichnung 235/3 gefertigten R35 einige
Verbesserungen: Fußschaltung, Hinterradfederung, Schutzrohr für Vorderradfederung
statt Manschette und vordere Ölstoßdämpfer.
Etwa Anfang des Jahres 1953 wurde die Herstellung der 40000. R35 gefeiert.
Das Mitte der Fünfziger Jahre entstandene Mißverhältnis durch den Versuch
einerseits den Arbeitern wenigstens ein im Ansatz kleines Wirtschaftswunder
vorzutäuschen und andererseits der katastrophalen Produktivität führte
zur Notwendigkeit die Produktion zu reorganisieren.
Geopfert wurde die Motorradproduktion. Bereits seit 1950 wurde im thüringischen
Suhl die Simson 425 gefertigt, Vorläuferin der legendären "Sportawo".
So ergab sich auch die Möglichkeit sich von der ungeliebten "BMW-Vergangenheit" vollends zu lösen.
Aber noch heute hört man alte Eisenacher von "ihrer BWM" reden.
Das Land Thüringen war bereits 1952 der Verwaltungsreform zum Opfer gefallen.
So mutierte mit der Einstellung der Fertigung des PKW Typ 340 und der R35 im Jahre 1955
das EMW-Logo zum VEB Eisenacher Automobilwerk, das bis in die neunziger Jahre den
"Wartburg" begleitete.
Damit endete aber auch die Produktion von Viertaktmotoren in Eisenach.
Der stinkende, umweltgarstige Zweitakter galt als sparsam, leicht und leistungsfähig.
Im Abstand von zwei Jahren treffen sich in Eisenach Freunde und Fahrer der
BMW/EMW R35. Um diese Seite weiter auszubauen bitte ich um
Zusendung weiterer Materialien, wie Technische Daten,
Fahrleistungen, Erfahrungen, Fotos etc.
Technische Daten:
- Motor: Einzylinder-Viertakt
- Hubraum: 350 ccm
- Leistung: 14 PS
- Höchstgeschwindigkeit ... km/h
- ...
Literatur:
- Schröder, Wolfgang: AWO, MZ, Trabant und Wartburg: die Motorrad- und
PKW-Produktion in der DDR - 1. Auflage - Bremen: Bogenschütz-Verlag 1995
ISBN 3-297485-13-6
Vielen Dank:
- Herrn Dipl.-Ing. Horst Ihling, Eisenach für die Bereitstellung des Fotos.
- Meinem Bruder Dipl.-Ing. Rainer Kamprath, Eisenach für die umfangreichen
Recherchen und die Hilfe bei der Rekonstruktion des EMW-Logos.
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