"Ist Lederbekleidung sicherer als solche aus textilem Gewebe?"
So die Fragestellung einer Onlineumfrage
im vergangenem Jahr.
Das Ergebnis ist eindeutig, fast drei Viertel der befragten Motorradfahrer votierten
für Leder.
Die Einsicht in die Notwendigkeit des Tragens von Schutzbekleidung hat sich in Bikerkreisen
in den letzten Jahren wesentlich gefestigt. Auch das bestätigt die obengenannte Umfrage.
Erfreulich der Effekt der "Selbsterziehung" - recht deutlich werden Biker mit Entzug
des Bikergrußes und kollektiver Kritik gestraft, wenn sie ohne ausreichende Schutzbekleidung
unterwegs sind.
Auch der Rückgang der Zahl der tödlich verletzten Motorradfahrer von 981 im Jahre 1999 auf
916 im Jahre 2000 kann unter anderem auf das gewachsene Sicherheitsbewusstesein zurückgeführt
werden. Was für den Autofahrer Airbag, Knautschzone und Sicherheitsgurt ist, reduziert sich für
uns auf eine nur wenige Millimeter dicke Schutzschicht - sprich Motorradbekleidung.
Zurück zum Leder: Jahrzehntelang die Motorradbekleidung an sich. Kängeruh und Rind sind die
Favoriten, was Haltbarkeit und Abriebfestigkeit betrifft. Dainese experimentiert gegenwärtig
mit der Kombination Leder und Goretex-Membran um einen entscheidenden Nachteil von Leder, seine
begrenzte Dichtheit bei Regen zu beseitigen.
Nylonkombis der ersten Generation standen zu recht im Ruf sich in ihrer Schutzwirkung kaum
von Jeans oder Shorts zu unterscheiden. Im Gegenteil - durch entstehende Reibungshitze und
Verschmelzen mit der Haut waren die Folgen eines Sturzes oft dramatisch. Verstärkt auch durch
die oft schlechte Verarbeitung der Bekleidung.
Die entscheidende Wende im Bekleidungssektor waren die Materialien Armacor, Codura und
Dynatec die den mechanischen Eigenschaften des Leders nahe kommen und dabei aber einen
wesentlich höheren Tragekomfort - infolge Klimatisierung - erzielen. Wir alle kennen
das Optimierungsproblem, das darin besteht mit der gleichen Bekleidung sowohl im
Stau oder beim Ampelstopp als auch bei Regenfahrten und Kälte weder zu schwitzen
oder zu frieren.
Ein Ansatz dieses Problems ist auch die AFT- (Air-Flow-Tecnology-) Kombi
- hier kann die schutzwirksame Außenhaut vom wärmedämmenden Innenteil
getrennt getragen werden.
Untersuchungen der Technischen Universität Darmstadt belegen auch die Wichtigkeit
der Optimierung des Reibfaktors zwischen Schutzbekleidung und Straße. "Glatte"
Oberflächen verhelfen dem Gestürzten zu langen Rutschtouren mit dem Risiko ungewollter
Kollisionen während ein großer Reibfaktor den Gestürzten auf kurzem Wege abbremst
(was allerdings auch Verletzungsrisiken mit sich bringt). Auch hier arbeiten die
Werkstoffkundler an Lösungen
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass hochwertige Textilkleidung bei nahezu
gleicher Schutzwirkung und besserem Tragekomfort dem Leder seine führende Rolle
streitig macht. Das gilt aber auch nur in Verbindung mit weiteren Sicherheitselementen
wie Protektoren, Stiefeln, Handschuhen und Helm.
Tatsache ist auch, dass Qualität ihren Preis hat - dennoch machen die Kosten für
ausreichende Schutzkleidung nur einen Bruchteil der Anschaffungs- und Unterhaltungskosten
eines Motorrades aus. Auch angesichts des zu erwartenden Anstieges der Lederpreise in den
nächsten Monaten wird sich wohl der Anteil der Biker in Leder stark reduzieren.
Eine umfassende Darstellung zum Thema "Textile Motorradbekleidung" inclusive eines
Materiallexikons gibt es bei Robert Bujok auf seiner Homepage
Das Volle Programm